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Saarbrücken. Es ist der Moment, auf den alle seit zwei
Tagen mit Spannung gewartet haben: Um 11.20 Uhr betritt Guido
Westerwelle den Saal West der Saarbrücker Congresshalle, während ein
Delegierter der Jungen Liberalen noch hastig seinen Satz am Rednerpult
zu Ende bringt und ins Mikrofon murmelt: „Oh Gott, jetzt kriege ich
Lampenfieber.“
Die Debatten der rund 450 Delegierten beim 39. Bundeskongress sind
erstmal Nebensache. Alle stehen auf und feiern Westerwelle mit lang
anhaltendem Beifall. Rhythmisches Klatschen. Ein Heimspiel für den
neuen Außenminister. Die Julis mögen ihn, und er mag die Julis.
Schließlich begann dort einst seine politische Karriere.
Westerwelle bedankt sich für den „außerordentlich freundlichen Empfang“
und wird gleich wieder Beifallsstürme ernten: „Das ist die erste Rede
in meinem neuen Amt, die ich in Deutschland halte . . .“ Weiter kommt
er nicht, da tobt der Saal vor Begeisterung. Natürlich sind alle
Juli-Mitglieder stolz, dass der FDP-Chef kurz nach seiner Ernennung als
einen seiner ersten Termine diesen Bundeskongress wahrnimmt. Und das
aus gutem Grund, wie Westerwelle erklärt: „Es ist auch Ausdruck der
Dankbarkeit an Euch. Ihr habt in diesem Wahljahr eine tolle
Unterstützung für die liberale Sache geleistet. Das vergessen wir
nicht, und deshalb bin ich hier.“
Ein Sicherheitsbeamter mit Knopf im Ohr steht ständig vor dem Podium
und beobachtet die Zuhörer, weitere sind hinten im Saal und vor der
Congresshalle im Einsatz. Seit Westerwelle vor wenigen Tagen sein Amt
angetreten hat, gelten verschärfte Sicherheitsbestimmungen. Bereits am
Vortag waren BKA-Beamte in Saarbrücken, um das Terrain zu sondieren.
Und ohne Anmeldung und Akkreditierung geht sowieso gar nichts.
„Ein Koalitionsvertrag ist immer ein Kompromiss“, fährt Westerwelle
derweil fort, „und das hier ist ein verdammt guter, weil er eine starke
liberale Handschrift trägt.“ Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen
verteidigt er, insbesondere das Ziel „faire Steuern für alle, die in
Deutschland den Karren ziehen“. Da sind die Julis noch ganz
einverstanden und stimmen mit Applaus zu. Doch so einfach wie
Westerwelle wollen sie den neuen Koalitionsvertrag nicht durchwinken.
Seit zwei Tagen diskutieren sie über ihre Bewertung des Vertrages und
sehen manches kritisch. So auch jetzt in der Aussprache, wo die
Delegierte Eva Scharbatke dem FDP-Chef das Thema Betreuungsgeld, die
„Herd-Prämie“, um die Ohren haut und vehement einen „Gegenentwurf zum
Frauenbild der Union einfordert“, was sie im Koalitionsvertrag
vermisse. Eine „hingerotzte Seite“ zur Gleichberechtigung von Männern
und Frauen reiche da bei weitem nicht aus. Auch beim Thema Haushalt
muss sich Westerwelle kritische Töne anhören: „Wir hatten ein liberales
Sparbuch – warum ist das nicht umgesetzt worden“, fragt Lasse Becker
unter dem Beifall der Delegierten. Westerwelle verteidigt tapfer den
Vertrag und bittet um Geduld. Liberale Positionen werde man jedenfalls
nicht räumen.
Lieber noch mal die eigene Stärke betonen. Sich darüber freuen, „dass
so viele Menschen FDP wählen“. Das sei für ihn eine der größten
Befriedigungen in seiner Zeit als Parteichef. Die FDP sei damit nicht
nur eine Partei für wenige, „sondern eine Partei fürs ganze Volk“. An
dieser Stelle ist ihm der Jubel dann wieder gewiss. Aus der "Saarbrücker Zeitung" vom 03.11.2009

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